Ausgabe September 1995

Chronik des Zeitgeschehens

Chronik des Monats Juli 1995

1.7. - N a h e r O s t e n. Der israelische Außenminister Peres und der PLO-Vorsitzende Arafat versuchen bei einem mehrstündigen Treffen in der Nähe von Gaza, eine Vereinbarung über die Ausweitung der palästinensischen Autonomie fristgerecht zum 1. Juli d.J. fertigzustellen. Das Treffen bleibt jedoch erfolglos.

Analysen und Alternativen

Zeit ist (kein) Geld

 Die Vereinbarung über die "Vier-Tage-Woche" im Volkswagen-Konzern läuft Ende Dezember aus. Über die Zukunft des vielbeachteten arbeitszeitpolitischen Modells wird bereits wieder verhandelt.

Spanien nach Gonzalez

Spätestens im Frühjahr nächsten Jahres wird Spaniens Wahlvolk vorzeitig an die Urnen gerufen, so hat es Begierungspräsident Felipe González seinem Partner Jordi Pujol von der katalanischen CiU – der in den letzten zwei Jahren die sozialistische Minderheitsregierung stützte – versprochen.

Zivilisierung durch Freihandel?

"Die Länder des früheren Ostblocks vollziehen heute den Aufbruch in das neue Europa - in die politische und gesellschaftliche Pluralisierung, in Demokratie und soziale Marktwirtschaft." 1) Fünf Jahre ist es her, daß der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher diese optimistische Erwartungshaltung äußerte.

Wirtschaftliche hardware und institutionelle software 1945/1989

Bei dem folgenden Text handelt es sich um die stark gekürzte deutsche Fassung eines in englischer Sprache verfaßten Aufsatzes, der Ende 1995 in einem Buch des Verfassers im Verlag Polity Press, Oxford erscheinen wird. Die Übersetzung wurde von Jan-H. Sieckmann angefertigt und vom Verfasser überarbeitet. D. Red.

Sozialhilfe - Mythos und Realität

Bei der Verabschiedung des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG) 1961 gingen die Gesetzgeber davon aus, daß rein materielle Leistungen ("Fürsorgerenten") im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung und des weiteren Ausbaus der Sozialversicherung in den Hintergrund treten würden.

Dokumente zum Zeitgeschehen

Kommentare

Haiti - ein Jahr nach der Intervention

Auf den ersten Blick sieht alles aus wie zu Zeiten der Duvaliers und von General Namphy: Kahle Berggerippe, die Flüsse braun vom fruchtbaren Boden, die Straßen aufgerissen und zerstört, voll mit Menschen, die einen Kleinsthandel treiben, Karren mit Kohlensäcken schleppen, Schuhe putzen oder einfach nur herumstehen und warten.

Ethnische Trennung

"Es gibt historische Situationen, in denen verschiedene Nationen, die im Herzen Erinnerungen an Ungerechtigkeiten und den Haß von Jahrhunderten tragen, einfach nicht zusammenleben können.

Die Logik der Force de Frappe:

Angekündigt war es seit dem Wahlkampf – Jacques Chirac würde als Präsident die Atomtests wieder aufnehmen. Die ruhten seit dem Moratorium Mitterrands von 1992. Womit anscheinend weder Chirac noch das sonstige politische Establishment in Frankreich gerechnet hatten, war der starke Widerstand.

Türken und Kurden in Deutschland

Als die Bundesrepublik ab 1959 Anwerbeabkommen mit unterschiedlichen Staaten unterzeichnete, um den Arbeitskräftemangel der damals boomenden Industrie zu decken, hätte keiner gedacht, daß damit auch zahlreiche Probleme ins Land geholt werden würden.

UNO ade?

Die Vereinten Nationen feiern in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag, aber statt Glückwunschadressen hagelt es Schmähungen und Kritik. Sie hätten die neue Weltordnung verspielt, so heißt es, in Bosnien-Herzegowina versagt, ihr Prestige und ihre Ehre verloren, weil sie immer nur zugesehen und nicht zugeschlagen haben.

Medienkritik

Postmoderne Hochzeitssitten

Als sich kurz nach dem letzten Weltkrieg der Rowohlt-Verlag entschloß, seine "rororo"-Reihe durch eingeschobene Reklameseiten finanziell abzusichern, sprach aus den locker-intellektuell formulierten Werbetexten noch die Selbstironie und gönnerhafte Unabhängigkeit des neue Wege erschließenden Taschenbuch-Pioniers.

Wirtschaftsinformation

Deregulierung der Telekommunikation in Entwicklungsländern

In der Debatte um Datenautobahnen, Multimedia und globale Informationsinfrastrukturen wird oft vergessen, daß die meisten Länder der Welt ganz andere Probleme mit der Entwicklung ihrer z.T. rudimentären Telekommunikation haben. Während 1992 z.B. in der BRD die Telefondichte bei rund 44% lag, betrug sie weltweit durchschnittlich 10,5%.