Als sich kurz nach dem letzten Weltkrieg der Rowohlt-Verlag entschloß, seine "rororo"-Reihe durch eingeschobene Reklameseiten finanziell abzusichern, sprach aus den locker-intellektuell formulierten Werbetexten noch die Selbstironie und gönnerhafte Unabhängigkeit des neue Wege erschließenden Taschenbuch-Pioniers. Dabei konnte es geschehen, daß kongeniale Stil-Replikate die nicht in die Pagination einbezogene Seite tatsächlich mitlesbar machten: "Paß besser auf beim Fernsehen", sagt die Mutter. "Der Apparat war teuer" (rororo 5880: Elfriede Jelinek: Michael.) Das klassische Kulturgut Buch konnte zwar - als Bestseller oder durch Druckkostenzuschüsse finanziert - seine Unschuld bewahren und enthält, außer für die weiteren Produkte des Verlags, keine Werbung mehr. Das Fernsehen aber, in vieler Hinsicht sein Fortsetzungs- und Nachfolgemedium, ist inzwischen vom Gastwirt zum Kunden der Werbung mutiert. Die von ihren Werbeeinnahmen abhängigen privaten Sender sind die öffentlich akzeptierte Präfiguration einer Gesellschaftsordnung, in der der kommerzielle jeden anderen Grundkonsens verdrängt. Wenn in Italien eine Mehrheit der Bürger für die Medienkonzentration in der Hand des großen Geschäfts und für die Zulassung von Werbeunterbrechungen in jedem Film stimmte, so mag dies als Erfolg skrupelloser Medienmachtausübung interpretiert werden.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.