Die Supermarktregale in den Überflußgesellschaften des Westens strotzen vor Auswahl: meterweise Knabberwaren, tiefgefrorene Pizzen, exotische Früchte, Fertigsoßen aus aller Welt, Mehl-, Quarkund Nußspeisen, und - ja - eine riesige Fleischabteilung: Frischfleisch, Gefrierfleisch, Dosenfleisch, Wurstwaren, Schafsfleisch aus Neuseeland, Gänsekeulen aus Polen, Vogelstraußsteaks aus Südafrika, ofenfertige Wachteln auf Styroporunterlage. Die Üppigkeit der heutigen europäischen Eßkulturen repliziert sich in den Kühlschränken der Haushalte in Stadt und Land, in den Speisekarten entlegener schottischer, belgischer und deutscher Gaststätten, in den Programmen flinker Fernsehköche, in den Rezeptseiten von Frauenzeitschriften und nicht zuletzt in der Beleibtheit wachsender Teile der Bevölkerung. In dieses Paradies, wo die Prinzipien von Geschmack, Abwechslung, Experiment, Snobismus und Bequemlichkeit, nicht aber Bedürfnis herrschen, dringt plötzlich eine schauderhafte Ungewißheit über den Konsum einer bestimmten Fleischsorte: es bestehe der Verdacht - so hieß es in einer Verlautbarung des britischen Gesundheitsministers am 20.
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist.