Anfang Dezember vergangenen Jahres ist in Berlin der Mitherausgeber der "Blätter" Gerhard Kade gestorben. Die intellektuelle und politische Landschaft Deutschlands ist um einen kritischen Geist und aufklärerischen Wissenschaftler ärmer geworden. Von seinem wissenschaftlichen Werdegang her ist Kade Ökonom mit traditioneller Ausbildung. Das Werk, mit dem er die Fachwelt schon früh einerseits beeindruckte, andererseits aber in nie verziehener Weise vor den Kopf stieß, war seine 1962 erschienene Habilitationsschrift über die "Grundannahmen der Preistheorie". Die dort vorgetragene Kritik an der Realitätsleere und dem tautologischen Charakter der mikroökonomischen Modelltheorie können als nach wie vor aktuelle und vernichtende Kritik an zeitgenössischen Nobelpreisträgern der Chicagoer Schule wie Milton Friedman oder Gary S. Becker gelesen werden. Sie schmerzte die Zunft umso mehr, als sie nicht aus den Reihen marxistischer oder sonstiger systemkritischer Theoretiker kam, sondern von einem gründlichen und auch formal brillant formulierenden bürgerlichen Ökonomen - der damit allerdings auch weitgehend zur persona non grata im etablierten Wissenschaftsbetrieb wurde.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.