Ausgabe März 1996

Der Normalisierer geht

Bundeswehr-Generalinspekteur Naumann: Eine Bilanz

"Die Stimmen, die in pseudeintellektueller Häme glauben, sich negativ äußern zu müssen, nur weil manche Leute meinen, es gehöre sich eben, sich über Militär negativ zu äußern, die sollten wir nicht überbewerten, sie sind weder wichtig noch repräsentativ." General Klaus Dieter Naumann 1) General Klaus Dieter Naumann ist nach mehr als vier Jahren am 8. Februar 1996 von seinem Amt als Generalinspekteur der Bundeswehr zurückgetreten, um Vorsitzender des NATO-Militärausschusses in Brüssel zu werden. Ausreichend Anlaß für eine Bilanz. Die Grundausbildung hat Naumann mit Erfolg beendet: Er verfügt über ein stattliches Repertoire einschlägiger Erklärungen und Bekenntnisse und kann bei Bedarf aus dem vollen schöpfen. Dazu zählen vor allem jene korrekten Formeln, die der Politik Vorfahrt gewähren, in der schlanken Version "Ich folge ja der Politik" 2) oder in sprachaufwendigeren Varianten: "Die militärische Führung trifft keine einzige Entscheidung, die politisch relevant ist, aus eigenem Antrieb. Eine eigenständige Entscheidung durch Militärs, die politische Normen schafft, gibt es nicht. Es gibt auch kein Unterlaufen des Primats der Politik." 3) Gab es doch (und gibt es auch weiterhin). "[...

März 1996

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Iran: Das geopolitische Erdbeben

von Franziska Fluhr

Noch im Januar beherrschte der USA-Iran-Konflikt die Überschriften der internationalen Berichterstattung. Nun aber ist der Konflikt durch die Corona-Pandemie nahezu vollständig von der Bildfläche verschwunden. Daraus zu schließen, die Auseinandersetzungen hätten sich beruhigt, wäre nicht nur naiv, sondern auch fatal. Denn das Gegenteil ist der Fall.