Ausgabe Dezember 2025

Nahost: Trumps autokratische Achse

Ahmed al-Scharaa zu Besuch bei Donald Trump in Washington, 10.11.2025 (IMAGO / ABACAPRESS)

Bild: Ahmed al-Scharaa zu Besuch bei Donald Trump in Washington, 10.11.2025 (IMAGO / ABACAPRESS)

Der Gipfel von Scharm el-Scheich im Oktober und der Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Washington markieren eine Zäsur in der Nahostdiplomatie. Zum ersten Mal seit 25 Jahren übernimmt ein US-Präsident wieder die Federführung bei den Vermittlungen um eine regionale Sicherheitsarchitektur – und droht auch mit militärischer Gewalt, um eine Befriedung des Nahen Ostens zu erreichen. Bill Clinton hatte es 2000 in Camp David nicht geschafft, Ehud Barak und Yassir Arafat zu einem Friedensschluss zu bringen – ausgerechnet Donald Trump könnte es ein Vierteljahrhundert später gelingen.

Dafür setzt der außenpolitisch als Isolationist ins Amt gekommene Präsident offiziell auf „Frieden durch Stärke“ – spricht aber auch unverblümt von kommerziellen Deals: US-Militärhilfen und Marktzugänge gegen Einhalten des in Scharm el-Scheich unterzeichneten Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und der Hamas, lautet Trumps Versprechen. Sein Schwiegersohn Jared Kushner und der Nahost-Sondergesandte Steve Witkoff reisen dafür oft in die Region. Was gut für den Frieden ist, ist auch gut fürs Geschäft, so die Logik – in Gaza ebenso wie in Syrien und im Libanon. Zugleich erhöhen die USA ihren diplomatischen und militärischen Einsatz: Anders als nach dem am Ende der Amtszeit Joe Bidens vereinbarten Waffenstillstandabkommen hält Trump nun auch den Druck auf Israel aufrecht.

»Blätter«-Ausgabe 12/2025

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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