Ausgabe November 1996

Das Ende der Sonderkonjunktur Ost

An 25. September 1996 verabschiedete die Bundesregierung ihren zweiten Bericht zur Entwicklung in den neuen Ländern. 1) Vor den Medien strich Wirtschaftsminister Rexrodt die erreichten "großen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte" ebenso heraus wie die Versicherung, auch künftig werde sich die Wirtschaft in den neuen Ländern, gestützt von umfangreicher öffentlicher Förderung, "relativ günstig" entwickeln. Die "Sonderkonjunktur Ost" sei allerdings zu Ende. Gemeint ist die sich deutlich abzeichnende starke Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums in den neuen Ländern.

Eckdaten zur Wirtschaftsentwicklung in Ostdeutschland (siehe PDF Datei) 

Der kalte Winter 1995/96 hat sich sicher negativ auf das wirtschaftliche Wachstum ausgewirkt, aber er stellt nicht die entscheidende Ursache für den Rückgang der Zuwachsraten dar. Vor allem die rückläufige Entwicklung der i n d u s t r i e l l e n Investitionen, die wenig witterungsabhängig sind, signalisiert, daß eine erste Entwicklungsphase der ostdeutschen Transformation abgeschlossen ist. Mit massiver staatlicher Förderung ist privates Kapital in die neuen Länder geflossen und hat sich all jene Anlagesphären erschlossen, die im ersten, marktorientierten Zugriff rentabel erschienen.

November 1996

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.