Ausgabe Dezember 1997

Wer ist der Idiot?

Lateinamerika vom Markt zum Staat und wieder zurück

 Es ist nicht gerade ein Gespenst, das südlich des Rio Grande umgeht. Aber der "lateinamerikanische Idiot" reicht immerhin für einen Bestseller: "Manual [Handbuch] del perfecto idiota Latinoamericano", ediert im März 1996 von Plaza & Janes Editores in Barcelona und derzeit immer noch ein Hit auf dem Subkontinent. Dessen nationalistische Vergangenheit wird darin nicht nur verulkt. Vielmehr geht es den Autoren auch um ein neues Nachdenken über die heutige Situation, in der der sogenannte Neoliberalismus triumphiert. Als der Marxismus in den 30er Jahren unter europäischen Intellektuellen en vogue war, zirkulierte an einigen Orten der Spruch: Wer unter dreißig nicht Mitglied einer kommunistischen Partei war, hat kein Herz; wer über dreißig noch KP-Mitglied ist, hat kein Hirn! Lateinamerika verfügt nunmehr über eine analoge Replik auf seinen antioligarchischen und antiimperialistischen Nationalismus, der als ideologische Strömung zwischen 1920 und 1990 die Geschichte des Subkontinents mitbestimmte.

Allerdings macht die Antwort - das zitierte Buch - an die 300 Seiten aus.

Dezember 1997

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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