Ausgabe Juli 1997

Die Niederländer und das größere Deutschland

Als ein holländischer Gesandter dem Schwedenfürst Karl X. gegenüber einmal eine Bemerkung über Religionsfreiheit machte, holte der König eine Münze aus seiner Hosentasche und bemerkte zynisch: "Voil?! Votre religion." Kann man es ihm verübeln? Seit der niederländischen Staatsgründung war der calvinistische Moralismus mit einem starken Handelstrieb verknüpft, in dem einiges erlaubt schien; bis hin zum Sklavenhandel, in dem Holland eine Hauptrolle spielte. Von Montesquieu stammt das Wort, daß Regierungssysteme durch das erhalten werden, was sie geschaffen hat. Zur niederländischen raison d'état gehört beides, Gott und Geld, was sich vor allem in den Beziehungen zu Deutschland, in dessen Sog sich Holland wirtschaftlich befindet, nachweisen läßt.

Im Ersten Weltkrieg hatten die Niederlande ihre Neutralität noch bewahren können. Der deutsche Kanzler von Bethmann Hollweg wollte nicht militärisch gegen Holland vorgehen; es gab allerdings auch andere Wege, sein Ziel zu erreichen. "Es wäre zu erwägen", sinnierte er in seinem Septemberprogramm von 1914, "durch welche Mittel und Maßnahmen Holland in ein engeres Verhältnis zu dem Deutschen Reich gebracht werden kann.

Juli 1997

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