Sieben Monate nach Beginn des Bürgerkriegs in Zaire wissen wir zwar ein wenig mehr über die Akteure der Krise, wir können etwa Protagonisten und Nebendarsteller identifizieren, doch noch immer ist zu wenig über die möglichen Drahtzieher bekannt. Zuletzt spekulierte man, amerikanische Minengesellschaften, die sich jetzt Zaires Ressourcen zu sichern versuchen, hätten die Rebellen finanziert. Wie sonst wären die in die Lage gekommen, sich so gut ernährt und ausgerüstet ihren Weg durch den drittgrößten Staat Afrikas zu bahnen? Doch haben wir es tatsächlich nur mit einem Krieg um Ressourcen zu tun? Oder dominiert ein West-West-Konflikt, der anglophone Kräfte in frankophone Einflußbereiche vordringen läßt, das Kriegsgeschehen? Keiner dieser Ansätze wird den zahlreichen innerzairischen und regionalen Konfliktursachen gerecht. Primär führten innerzairische Konflikte zum Bürgerkrieg, verursacht durch den - von Mobutu sabotierten - Systemwechsel in Zaire. Neben den andauernden Verhinderungstaktiken des Regimes gegen die Demokratisierung, die sich in Einschüchterungsversuchen über Korruption bis zu offener Gewalt gegen die Opposition niederschlugen, spielt gerade die ethnische Spaltung mehrerer Regionen hierbei eine bedeutende Rolle.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.