Ausgabe November 1997

Tiger in Not

Die Ereignisse der letzten Monate auf einigen asiatischen Finanzmärkten brachten das internationale Geldgewerbe mal wieder ins Gerede. Gewaltige Ziffern mit einer kaum noch nachvollziehbaren Anzahl Nullen werden täglich mit dem Ziel bewegt, neues Geld zu machen. Die gesellschaftliche Nützlichkeit dieser Veranstaltung braucht nicht begründet zu werden - was die sensibleren Akteure dazu veranlaßt, einen Teil des auf diese Weise verdienten Geldes mildtätigen Zwecken zukommen zu lassen. Die im Frühsommer ausgebrochene Krise einiger asiatischer Währungen und Börsen lieferte der Debatte über die Frage der Nützlichkeit bzw. Gefährlichkeit der Entwicklung der internationalen Finanzmärkte neuen Stoff. Wieder, wie schon im Fall Mexikos, traf es Länder, die gerade dabei sind, den Sprung aus der krassen Unterentwicklung zu vollziehen - und deren Erfolge als Beleg dienen, daß der Markt das globale Problem der Unterentwicklung lösen kann. Es besteht allerdings die Gefahr, daß die allgemeine Problematik der verselbständigten Finanzmärkte hinter personalisierten Schuldzuweisungen an "Spekulanten" rasch wieder verschwindet.

November 1997

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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