Die Ereignisse der letzten Monate auf einigen asiatischen Finanzmärkten brachten das internationale Geldgewerbe mal wieder ins Gerede. Gewaltige Ziffern mit einer kaum noch nachvollziehbaren Anzahl Nullen werden täglich mit dem Ziel bewegt, neues Geld zu machen. Die gesellschaftliche Nützlichkeit dieser Veranstaltung braucht nicht begründet zu werden - was die sensibleren Akteure dazu veranlaßt, einen Teil des auf diese Weise verdienten Geldes mildtätigen Zwecken zukommen zu lassen. Die im Frühsommer ausgebrochene Krise einiger asiatischer Währungen und Börsen lieferte der Debatte über die Frage der Nützlichkeit bzw. Gefährlichkeit der Entwicklung der internationalen Finanzmärkte neuen Stoff. Wieder, wie schon im Fall Mexikos, traf es Länder, die gerade dabei sind, den Sprung aus der krassen Unterentwicklung zu vollziehen - und deren Erfolge als Beleg dienen, daß der Markt das globale Problem der Unterentwicklung lösen kann. Es besteht allerdings die Gefahr, daß die allgemeine Problematik der verselbständigten Finanzmärkte hinter personalisierten Schuldzuweisungen an "Spekulanten" rasch wieder verschwindet.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.