Ausgabe Januar 1998

Aufschwung im Wahljahr?

"Der Aufschwung kommt" - mit dieser Parole hat Helmut Kohl schon manche Wahlschlacht gewonnen. Da fruchtet der Hinweis wenig, daß das konjunkturelle Auf und Ab eine der wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus ist und mit der jeweiligen Regierung wenig zu tun hat und daß zudem jedem Aufschwung ein Abschwung folgt. Politisch ist allerdings wichtig, daß auch bei einer wirtschaftlich und sozial eher tristen Gesamtkonstellation selbst ein schwacher konjunktureller Aufschwung eine zeitweilige Entlastung mit sich zu bringen pflegt - ohne daß die Grundkonstellation dadurch dauerhaft verbessert wird. Die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Halbjahr 1997 und vor allem die Prognosen für 1998 lassen eine günstige Konjunkturkonstellation für den Wahlkampf des amtierenden Bundeskanzlers erwarten.

Allerdings ist dieses Mal durchaus zweifelhaft, ob die Belebung ausreichen wird, um den aktuellen Problemdruck (Arbeitsmarkt, Staatsfinanzen, Sozialversicherungen, Steuerdruck, um die wichtigsten zu nennen) auch nur vorübergehend zu mindern. Der laufende Konjunkturzyklus begann im Jahre 1993 mit einer Konjunkturkrise, die, gemessen an der Entwicklung der Produktion, eine der tiefsten in der Geschichte der Bundesrepublik war: Das Bruttoinlandsprodukt ging um 1,2% zurück (1975: - 1,4%). Die Industrieproduktion sackte um fast 8% ab, die Ausrüstungsinvestitionen um mehr als 14%.

Januar 1998

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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