"In dieser heute so geprüften Region muß der Glaube wieder zu einer einigenden und wohltätigen Kraft werden, wie die Flüsse, die sie durchqueren. Ich denke an den Fluß Save, der in Slowenien entspringt, euer Vaterland durchströmt, weiterfließt entlang der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina, um schließlich, auf serbischer Erde, sich mit der Donau zu vereinigen, (...) so wie (die) Völker aufgerufen sind, sich zu vereinen, und wie vor allem jene zwei Erscheinungsformen des Christentums es tun sollten, die westliche und die östliche, die in diesen Regionen seit je zusammenleben. In dieser Metapher der Flüsse können wir quasi den Pfad vorgezeichnet finden, den in dieser historischen Stunde zu beschreiten Gott euch aufruft." Fromme Worte von Papst Johannes Paul II. bei seinem ersten Besuch in Zagreb im September 1994, die den Charakter der Hirten-Visite als Friedensmission unterstreichen sollten. Eines allerdings hatte Karol Wojtyla in seiner Fluß-Metapher zu erwähnen vergessen: das an den Ufern des Flusses Save gelegene, zeitweilig von katholischen Ordensbrüdern geleitete Vemichtungslager Jasenovac, wo im Zeichen des Kreuzes in den Jahren 1941-1945 Hunderttausende Andersgläubige und Anders"rassige" von Katholiken abgeschlachtet wurden.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.