Von der "sich selbst nicht anerkennenden" Einwanderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland schrieb Micha Brumlik in den August-"Blättern", die mannigfache Probleme und vielfältige Konflikte "hervortreiben". Daß die makabre Diskussion zwischen CSU und CDU über den Slogan "Deutschland ist kein Einwanderungsland" bekanntlich - "immerhin" - damit endete, daß der Satz nicht wörtlich in der Unions-Wahlplattform auftaucht, spricht für eine gewisse Wirkung öffentlicher Proteste (vgl. auch unsere "Eindringliche Erinnerung", Heft 7/1998), ändert aber an der verbreiteten Verwirrung der Begriffe und Meinungen über die Zugehörigkeits- und Zutrittsbedingungen der deutschen Gesellschaft noch gar nichts. - Wir setzen die "Blätter"-Debatte fort mit einem Beitrag von Ulrich K. Preuß, der auf seiner bemerkenswerten Antrittsvorlesung am Fachbereich Politische Wissenschaft der FU Berlin fußt. Deren - erheblich umfangreicherer - Gesamttext erschien im März 1998 in der sozialwissenschaftlichen Vierteljahrszeitschrift "Leviathan" unter dem Titel "Die Belagerung des liberalen Verfassungsstaates durch die multikulturelle Gesellschaft". - D. Red.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.