Ausgabe September 1998

Politik als Frauensache

Ob Margaret Thatcher, Rita Süßmuth, Madeleine Albright oder Heide Simonis, sie alle beweisen, daß Politikerinnen heute nicht mehr nur zu den bescheidenen Ausnahmedamen auf dem politischen Parkett gehören oder dort die vielzitierte Alibifrau bleiben wollen. Politik ist - zumindest in den westlichen Industriestaaten - längst nicht mehr nur "Männersache", und Politik als Beruf ist für viele Frauen offenbar ein gar nicht so schmutziges, sondern sogar faszinierendes Geschäft. Warum ist das so? Haben die frauenausschließenden Mechanismen in dem jahrtausendealten Männerbund Politik ihre Halbwertzeit erreicht? Sind die bundesdeutschen Parteien plötzlich ihrer eigenen Rhetorik gefolgt und haben ihr Profil frauenfreundlich runderneuert? Was hat sich verändert in den vergangenen 50 Jahren, nachdem in der Bundesrepublik die Frauen politisch fast bei Null anfangen mußten? Erst nach 1945 konnten sie wieder in politische Ämter und Mandate gewählt werden, denn im Nationalsozialismus war sogleich das passive Wahlrecht für weibliche Staatsbürger abgeschafft worden, das erstmals 1919 Frauen in die Weimarer Nationalversammlung und anschließend in den Reichstag gebracht hatte.

Es mußten dann allerdings fast 70 Jahre vergehen, bevor 1987 der Frauenanteil im Bundestag deutlich über dem der Reichstage lag.

September 1998

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