Ausgabe April 1999

Die NATO im Rüstungswettlauf mit sich selbst

Auf der Münchener Wehrkundetagung Anfang Februar kritisierte USVerteidigungsminister Cohen "die wachsende Kluft zwischen den Investitionsausgaben im Verteidigungsbereich zwischen Amerika und seinen Verbündeten" und mahnte an, die Aufwendungen im Rüstungsbereich nicht weiter herunterzuschrauben. Auch NATO-Generalsekretär Solana sparte nicht mit offenen Worten. In seinem Amt habe er die Pflicht, die Europäer darauf hinzuweisen, wie stark die europäischen Verteidigungshaushalte im transatlantischen Vergleich im Rückstand lägen. "Wir müssen mehr tun!" Was in den Äußerungen von Cohen und Solana hier zum Ausdruck kommt, ist die seitens der Politik, der Wissenschaft und der Medien durchgängig verbreitete Ansicht, auch die NATO-Mitglieder hätten nach dem Ende des Ost-West-Konflikts in einem nie dagewesenen Ausmaß abgerüstet. Diese Auffassung ist falsch. Gleich ob es sich um Täuschung oder Selbsttäuschung handelt - ein gefährlicher Irrglaube ist sie allemal.

Tatsächlich sind die weltweiten Militärausgaben zwischen 1985 und 1997 von 1200 Mrd. US-Dollar auf knapp 800 Mrd. gefallen. Die Zahl der in der Rüstungsindustrie Beschäftigten sank von 1987 noch über 17 Millionen Personen um annähernd die Hälfte auf 9 Millionen 1996.

April 1999

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