Der Karikaturist Haitzinger, auch sonst nicht durch ein Übermaß an Feingefühl beruflich behindert, machte die Sache auf seine Weise deutlich: Er legte Gregor Gysi auf den Operationstisch des Schönheitschirurgen Dr. Lafontaine. Die amputierten Bockshörner des PDS-Mannes liegen bereits am Boden, den noch bluttriefenden Schwanz hält der SPD-Chef triumphierend in der Hand, nur der Pferdefuß ist noch dran. Alles klar: der pfiffige Oskar hat dem schlauen Gregor die Attribute des Teufels weggenommen, und beide, Arzt und Patient, schauen sehr zufrieden drein. Sozusagen ein gelungener Beitrag zur Gesundheitsreform. Aber daß mit solchen Operationen die Gesundheitslage der Nation verbessert werden könnte, ist unter Sozialdemokraten umstritten und wird von der Opposition wütend kritisiert. Wolfgang Schäuble glaubt die SPD an den Zwangszusammenschluß von SPD und KPD im Jahre 1946 erinnern zu müssen und meint, der Kurs Lafontaines entziehe den Sozialdemokraten, die sich damals gegen die Kommunisten gewandt hätten, ihre historische Legitimation.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.