Ausgabe April 1999

Rot-Rot?

Der Karikaturist Haitzinger, auch sonst nicht durch ein Übermaß an Feingefühl beruflich behindert, machte die Sache auf seine Weise deutlich: Er legte Gregor Gysi auf den Operationstisch des Schönheitschirurgen Dr. Lafontaine. Die amputierten Bockshörner des PDS-Mannes liegen bereits am Boden, den noch bluttriefenden Schwanz hält der SPD-Chef triumphierend in der Hand, nur der Pferdefuß ist noch dran. Alles klar: der pfiffige Oskar hat dem schlauen Gregor die Attribute des Teufels weggenommen, und beide, Arzt und Patient, schauen sehr zufrieden drein. Sozusagen ein gelungener Beitrag zur Gesundheitsreform. Aber daß mit solchen Operationen die Gesundheitslage der Nation verbessert werden könnte, ist unter Sozialdemokraten umstritten und wird von der Opposition wütend kritisiert. Wolfgang Schäuble glaubt die SPD an den Zwangszusammenschluß von SPD und KPD im Jahre 1946 erinnern zu müssen und meint, der Kurs Lafontaines entziehe den Sozialdemokraten, die sich damals gegen die Kommunisten gewandt hätten, ihre historische Legitimation.

April 1999

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema