Ausgabe August 1999

Israel auf dem Weg zur Theokratie?

Zu den prägnanten Ergebnissen der Wahlen zur 15. Knesset zählt der politische Aufstieg der Ultraorthodoxen (Charedim). Jeder sechste Israeli stimmte am 17. Mai 1999 für deren politische Repräsentanten - für das Vereinigte Torah-Judentum (VTJ) und insbesondere für Schas, die Vereinigung der sephardischen Torah-Wächter. 1) Zusammen steigerten beide Parteien die Zahl ihrer Mandate von 14 auf 22; in der Regierung Ehud Baraks sind beide vertreten - Schas stellt sogar vier Minister. Wer sind und was wollen die Charedim? Wie ist ihr verstärktes politisches Engagement zu erklären? Wird sich der "Kulturkampf" nach den Knessetwahlen fortsetzen? Die Hauptkraft im VTJ, Agudat Jisrael, entstand 1912 in Osteuropa. Ihre Gründer lehnten den Zionismus ab, gingen sie doch davon aus, daß die Erlösung der Juden und ihre Rückführung ins "Gelobte Land" nur durch göttlichen Beschluß und nicht durch einen weltlichen Akt wie die Errichtung eines jüdischen Staates erreicht werde.

Unter dem Eindruck der Schoah fanden sich in Palästina nach dem Zweiten Weltkrieg Agudat Jisrael und ihr Arbeiterflügel (Poalei Agudat Jisrael) dennoch bereit, mit zionistischen Parteien zu kooperieren.

August 1999

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