Man weiß nicht, was schlimmer ist: Daß für die Verkündung des Urteils in dem Strafprozeß gegen Egon Krenz, Günter Schabowski und Günther Kleiber beim Bundesgerichtshof ein Tag wie der 8. November bewußt ausgesucht oder gar vereinbart wird - oder daß das Gericht, dienstfertig und dem Zeitgeist verfallen, das Datum instinktiv fand? Damit man am Tage darauf, wieder an einem jener deutschen 9. November, diesmal dem zehnjährigen Jubiläum des Falles der Mauer, Schlagzeilen wie diese in den Zeitungen lesen kann: "Krenz muss wegen Totschlags ins Gefängnis", oder: "Urteile gegen Krenz, Schabowski, Kleiber bestätigt - 'Totschlag in mittelbarer Täterschaft'"? Man muß nichts mit den drei Angeklagten im Sinn haben, wenn man sich von der kaum zufälligen zeitlichen Koinzidenz und den Zeitungsaufmachern des diesjährigen 9. November abgestoßen fühlt. Und man muß das auch nicht - wie Egon Krenz - "Siegerjustiz" nennen. Es ist auch so schlimm genug.
In der Ukraine kämpfen seit dem Februar 2022 auch Linkslibertäre, Feministinnen und Antimilitaristen im Militär. Verraten sie damit ihre Überzeugungen – oder ist ihr Handeln nur konsequent?