Die Clinton-Regierung beginnt das letzte Jahr ihrer Amtszeit und des Jahrhunderts mit einer außenpolitischen Leistungsbilanz, in der nur wenige größere Erfolge, aber schwerwiegende Fehler zu verzeichnen sind. Auf der Haben-Seite finden sich die Intervention in Bosnien für eine Beendigung des Krieges und ein beträchtlicher Beitrag zum Frieden in Irland (beide durch starken innenpolitischen Druck ausgelöst) sowie Maßnahmen für eine Stabilisierung Mazedoniens, der (unsichere) Waffenstillstand im Kosovo und die Vermittlung in der Zypern-Affäre. Zu den Fehlschlägen zählen die Behandlung Rußlands, eine Irak-Politik, die die Lage im Nahen Osten beständig verschlechtert hat, destruktives Nervenversagen und Kleinmütigkeit im Umgang mit Israel und dem Frieden in Palästina, eine von Wirtschafts- und Handelsinteressen gesteuerte China-Politik, die die Beziehungen der USA zu Japan in unsinniger und vielleicht verhängnisvoller Weise beschädigt, eine politisch aufgebauschte, aber substanzlose Initiative in Afrika, die sich bereits in Nichts aufgelöst hat, und ein implizit hegemoniales Vorgehen gegenüber Europa, der NATO-Erweiterung und einer Neudefinition der NATO-Politik, was schon im Frühjahr zu einer transatlantischen Krise führen könnte.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.