Zwar wird es nicht often ausgesprochen, doch in den Wandelgängen der Machtpaläste Roms ist es ein offenes Geheimnis, daß Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro im November die Aufgabe des neuen Ministerpräsidenten nicht gerne Massimo D'Alema anvertrauen wollte. Diese Lösung schien ihm jedoch ein weitaus geringeres Übel zu sein, als das Land mit Neuwahlen zu überziehen. Denn sie hätten - kurz vor der Einführung des Euro - zu einem Zeitpunkt stattfinden müssen, da nach außen politische Stabilität gezeigt werden mußte: der gemeinsame Eintritt in den Euro stand bevor. Politische Unwägbarkeiten für mehrere Monate an der Spitze der Exekutive, rechneten ihm auch die Finanzmagnaten vor, würden Italiens ohnehin über dem Limit liegendes Staatsdefizit weiter ansteigen lassen. Daß es jedoch zwei "Todfeinde" des ehemaligen Jungkommunistenführers D'Alema sein würden, die ihm die parlamentarische Mehrheit für die Wahl zum Ministerpräsidenten sichern sollten, darauf hätte wenige Monate zuvor wohl kaum jemand ein paar Lire gewettet.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.