General Naumann, der jüngst verabschiedete Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, hatte schon immer die Nase vom. Ende 1991, damals als Generalinspekteur der Bundeswehr, zeichnete er in seinem Strategie-Papier den künftigen Weg der Bundeswehr zu Out-of-Area-Einsätzen und Krisenreaktionskräften vor. Die Verbundenheit mit der Truppe hat ihn auch im NATO-Amt nicht verlassen. Anfang Mai überraschte der scheidende NATO-General die Öffentlichkeit mit einer Botschaft, die gleichsam in der Luft (über Jugoslawien) lag. Es sei an der Zeit, gab er der nachfragenden "Bild am Sonntag" (2.5.1999) zu verstehen, über die "Schaffung einer deutschen Tapferkeitsauszeichnung" nachzudenken. Und: "Das Eiserne Kreuz als Tapferkeitsauszeichnung hat eine gute Tradition in Deutschland seit den Befreiungskriegen." Nun kann man dem Vorschlag eine makabre Plausibilität nicht absprechen. Wenn schon unter dem Hoheitszeichen der Luftwaffe, dem Eisernen Kreuz, in Jugoslawien Einsätze geflogen werden, dann kann diesem Emblem auch für Ordenszwecke eigentlich nichts im Wege stehen. Gleichwohl rührt die Frage an das prekäre Traditionsverständnis der Bundeswehr und fordert eine vielschichtige - Debatte heraus, die längst nicht ausgestanden ist.
Vor 250 Jahren wurde die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika verabschiedet. Sie läutete, mehr noch als die Französische Revolution, die Epoche der neuzeitlichen Demokratie ein, die auf individuellen Menschenrechten und politischem Pluralismus beruht.