General Naumann, der jüngst verabschiedete Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, hatte schon immer die Nase vom. Ende 1991, damals als Generalinspekteur der Bundeswehr, zeichnete er in seinem Strategie-Papier den künftigen Weg der Bundeswehr zu Out-of-Area-Einsätzen und Krisenreaktionskräften vor. Die Verbundenheit mit der Truppe hat ihn auch im NATO-Amt nicht verlassen. Anfang Mai überraschte der scheidende NATO-General die Öffentlichkeit mit einer Botschaft, die gleichsam in der Luft (über Jugoslawien) lag. Es sei an der Zeit, gab er der nachfragenden "Bild am Sonntag" (2.5.1999) zu verstehen, über die "Schaffung einer deutschen Tapferkeitsauszeichnung" nachzudenken. Und: "Das Eiserne Kreuz als Tapferkeitsauszeichnung hat eine gute Tradition in Deutschland seit den Befreiungskriegen." Nun kann man dem Vorschlag eine makabre Plausibilität nicht absprechen. Wenn schon unter dem Hoheitszeichen der Luftwaffe, dem Eisernen Kreuz, in Jugoslawien Einsätze geflogen werden, dann kann diesem Emblem auch für Ordenszwecke eigentlich nichts im Wege stehen. Gleichwohl rührt die Frage an das prekäre Traditionsverständnis der Bundeswehr und fordert eine vielschichtige - Debatte heraus, die längst nicht ausgestanden ist.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.