Ausgabe Juni 1999

Ernstfall Grün

In vielen Märchen und in manchen Kinderbüchern, etwa in Maurice Sendaks "Wo die wilden Kerle wohnen" oder in James Barries "Peter Pan" werden wir am Ende immer wieder Zeugen einer Szene, in der die kleinen Helden nach ihrer Reise ins Wunderland in ihrem Bettchen sitzen, sich - pardauz - aufrichten, verwundert die Augen reiben und fragen, wo sie eigentlich waren oder jetzt sind. Am Ende ist unklar, ob die vergangene Nacht mit ihren Träumen, mit ihrer Gegenwelt ein Vorgriff aufs Erwachsenensein oder Nachgeschmack einer zu Ende gehenden Kindheit war. Es handelt sich dabei ersichtlich um Geschichten von seelischen Wachstumsschmerzen. Das ist die Lage, in der sich die Grünen nach ihrer außerordentlichen Bundesdelegiertenversammlung in Bielefeld befinden.

Ein Abschiedsritual

Wer sich den Diskussionen der Grünen seit Amtsamtritt der Schröder/FischerRegierung unvoreingenommen stellt, kann nur erschrecken - weniger über die Inhalte, vielmehr über den Gefühlshaushalt der Partei.

Juni 1999

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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