Diejenigen, die an der Macht von Ideen zweifeln, werden durch den vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), der weltweit größten Behörde für multilaterale Entwicklungszusammenarbeit, herausgegebenen neuen Bericht über die ehemalige Sowjetunion und Osteuropa eines Besseren belehrt. Dieser Bericht, womöglich der härteste jemals von einer UN-Unterorganisation publizierte, gelangt zu dem Ergebnis, daß der vom Westen inspirierte Versuch, die Wirtschaften des einstigen Ostblocks durch eine vollständige Privatisierung zu transformieren, über 100 Millionen Menschen in furchtbare Armut gestürzt und weiteren Millionen jede wirtschaftliche Sicherheit genommen hat. Dies geschah auf den Rat einer westlichen Gemeinschaft aus Wirtschaftswissenschaftlern von Universitäten, internationalen Behörden und Regierungen. Unter den Fachleuten gab es Befürworter wie Gegner einer bigbang-Privatisierung: alles auf einmal durchzuziehen und die Überlebenden ihrem Schicksal zu überlassen - entweder sie gehen unter oder sie schwimmen. Wenn überhaupt so traten nur wenige Ökonomen dafür ein, daß ein Staat sowjetischen Typs und dessen Industrie vorsichtig und in Stufen abgebaut werden sollte, unter empirischer Kontrolle der Folgen, vor allem der für das Gemeinwesen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.