Ausgabe September 1999

Balkan: Nach den Bomben

Vier Jahre ist es jetzt her, seit die Nordatlantische Allianz auf Veranlassung Präsident Clintons die Vereinten Nationen als obersten internationalen Schiedsrichter und Akteur in den Ruinen Jugoslawiens verdrängte. Ethnische Säuberungen, das bevorzugte Verbrechen der 90er Jahre, hatten damals schon Millionen von Kroaten, Serben und Muslimen aus ihren Häusern vertrieben. Und heute, zwei Kriege weiter, profilieren sich die Vereinigten Staaten auf "Geberkonferenzen", dem internationalen Gegenstück der zu Hause beliebten Wohltätigkeitsbasare, für den Wiederaufbau des Kosovo. Beispielsweise in Brüssel am 28. Juli, wo die Clinton-Administration 500 Mio. Dollar zu insgesamt 2 Mrd. Dollar angekündigter Spenden beisteuerte; oder auf dem Gipfeltreffen eines Balkanstabilitätspakts in Sarajewo am 30. Juli, wo der Präsident höchstpersönlich auftrat. Nach den Worten seines nationalen Sicherheitsberaters Samuel Berger soll der Stabilitätspakt "Demokratie, Prosperität und Sicherheit in der ganzen Region" fördern, wobei die Europäer den Löwenanteil der Kosten übernehmen.

Seit 1995 haben NATO-Streitkräfte unter amerikanischer Führung drei ethnische Säuberungen beobachtet - im wahrsten Sinne des Wortes, mit bemannten und unbemannten Aufklärungsflugzeugen - und zum Teil gefördert: 1.

September 1999

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema