In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten trug die Politik der großen westlichen Industrieländer das Ihre dazu bei, die nationalen Märkte und den Weltmarkt weitgehend zu deregulieren. Die Waren- und Kapitalströme sind breiter geworden, laufen schneller und erreichen inzwischen die letzten Winkel des Globus. Das gilt insbesondere für die Finanzströme, die Jahr um Jahr mit zweistelligen Raten gewachsen sind. Globalisierung wird daher zu Recht als Kompression von Zeit und Raum charakterisiert. 1) Moderne Kommunikationsmedien und Transporttechniken lassen die Distanzen zwischen konkreten, weit auseinanderliegenden Orten zusammenschmelzen, so daß Investoren in der Lage sind, sehr schnell große Finanzsummen von einem Ort abzuziehen und woanders wieder anzulegen - je nach Renditeerwartung. Die Verdichtung von Raum und Zeit dehnt sich auch auf die natürliche Umwelt aus. Denn die Beschleunigung gelingt nur mit Hilfe fossiler Energieträger. Hindernisse natürlicher Landschaften werden eingeebnet, um die Zirkulationskosten des Kapitals zu senken. Globalisierung bedeutet Expansion in alle Räume, auch in die bislang unzugänglichen Räume des erdnahen Weltalls, der Tiefsee und in die Nanowelt der Gene und Genome.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.