In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten trug die Politik der großen westlichen Industrieländer das Ihre dazu bei, die nationalen Märkte und den Weltmarkt weitgehend zu deregulieren. Die Waren- und Kapitalströme sind breiter geworden, laufen schneller und erreichen inzwischen die letzten Winkel des Globus. Das gilt insbesondere für die Finanzströme, die Jahr um Jahr mit zweistelligen Raten gewachsen sind. Globalisierung wird daher zu Recht als Kompression von Zeit und Raum charakterisiert. 1) Moderne Kommunikationsmedien und Transporttechniken lassen die Distanzen zwischen konkreten, weit auseinanderliegenden Orten zusammenschmelzen, so daß Investoren in der Lage sind, sehr schnell große Finanzsummen von einem Ort abzuziehen und woanders wieder anzulegen - je nach Renditeerwartung. Die Verdichtung von Raum und Zeit dehnt sich auch auf die natürliche Umwelt aus. Denn die Beschleunigung gelingt nur mit Hilfe fossiler Energieträger. Hindernisse natürlicher Landschaften werden eingeebnet, um die Zirkulationskosten des Kapitals zu senken. Globalisierung bedeutet Expansion in alle Räume, auch in die bislang unzugänglichen Räume des erdnahen Weltalls, der Tiefsee und in die Nanowelt der Gene und Genome.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.