Ausgabe April 2000

Blaupause für das 21. Jahrhundert?

Das strategische Konzept der NATO

Das strategische Konzept der NATO, verabschiedet auf dem Washingtoner Gipfel am 24. April 1999, scheint heute in seiner Bedeutung auf der einen Seite überbewertet, auf der anderen Seite zu wenig beachtet zu werden. In der publizistischen und wissenschaftlichen Diskussion, die den Kosovo-Konflikt aufarbeitet, wird vielfach auf das Konzept verwiesen, um die These zu untermauern, der Kosovo-Einsatz der Allianz sei ein Modellfall für ihr künftiges Verhalten in internationalen Krisen außerhalb ihres Bündnisgebietes. Diese (Über-)Interpretation steht in merkwürdigem Spannungsverhältnis zum allgemeinen Desinteresse. Anders als etwa Ende der 70er Jahre zu Zeiten der Debatten um den NATO-Doppelbeschluß, ist heute das Bedrohungsempfinden stark zurückgegangen und Themen der Verteidigungsstrategie finden kaum öffentliche Beachtung. Zudem wurden gerade durch den Einsatz der NATO-Streitkräfte im Kosovo das neue strategische Konzept wie auch die anderen beiden wichtigen Initiativen des Washingtoner Gipfels, die Defence Capabilities Initiative und der Membership Action Plan in den Hintergrund gedrängt 1), so daß diese außer in Fachkreisen bis heute vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit in einer breiteren Öffentlichkeit genießen, gleichwohl gerade das strategische Konzept einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der NATO seit 1990 markiert.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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