Ausgabe April 2000

Gesucht: Konservative Reformer

Die Spendenaffäre ist weitgehend zu Ende, der Fluss kehrt in sein altes Bett zurück. Die Wahlen in Schleswig-Holstein haben deutlich gemacht, dass die CDU ihre Wähler halten kann, wenn sie zusammensteht. Das wird - leider - auch Roland Koch nutzen. Er kann, wenn die hessische FDP nicht umfällt, die Affäre aussitzen. Als "konservative" Integrationsfigur des hessischen Kampfverbandes wird er dringend gebraucht, nicht nur in Wiesbaden, auch in Berlin. Es mehren sich die Stimmen des "nun sei es genug" und folglich wird sich nichts ändern. Den großen Ankündigungen werden kaum Taten folgen. Schon warnen viele vor Schnellschüssen. Das ist sachlich bestimmt richtig und dennoch falsch. Denn beide großen Volksparteien haben die Spenden- und die Flugaffäre zu keiner Zeit als Moment der moralischen Erneuerung verstanden. Sie waren nur Instrument im Machtpoker - Aufklärung nicht als moralische Reinigung, sondern als kluger Akt der Selbstbehauptung. Und wenn Schnellschüsse nicht sein dürfen, wird sich nichts ändern. Man wird vorsichtiger umgehen mit Geld aus zweifelhaften Quellen und vielleicht auch die Selbstbedienungsmöglichkeiten bei öffentlichen Institutionen einschränken, aber eben ohne innere Überzeugung, getrieben von den Medien und einer von ihnen aufgebrachten Öffentlichkeit.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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