Der Wahlsieg des konservativen Vicente Fox bei den Präsidentschaftswahlen setzt dem politischen Sonderweg Mexikos ein Ende. Die Transition vom autoritären politischen System zu einer parlamentarischen Demokratie westlichen Zuschnitts kam mit der historischen Wahlniederlage der seit 71 Jahren übermächtigen "Partei der institutionalisierten Revolution" (PRI) einen wesentlichen Schritt voran. Damit ist in Lateinamerika der Demokratisierungszyklus weitgehend abgeschlossen, der Ende der 70er Jahre mit dem Rückzug der südamerikanischen Militärs in die Kasernen begann und mit Ausnahme Kubas nahezu alle Staaten erfaßte. Während die Demokratisierung in Mexiko mit den Wahlen vom 2. Juli 2000 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte, zeichnen sich in Staaten wie Peru oder Ecuador, in denen die Öffnung schon ein bzw. zwei Jahrzehnte früher begonnen hatte, erneut autoritäre Tendenzen ab. Diesen Pendelschlag in Richtung Autoritarismus hatte der Chef der mexikanischen Wahlbehörde IFE José Woldenberg wohl im Hinterkopf, als er seine Landsleute davor warnte, sich mit dem bisher Erreichten zufriedenzugeben: "Die Demokratie ist keine Ankunftshalle" sagte er.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.