Ausgabe August 2000

Deinstitutionalisierung einer Revolution

Der Wahlsieg des konservativen Vicente Fox bei den Präsidentschaftswahlen setzt dem politischen Sonderweg Mexikos ein Ende. Die Transition vom autoritären politischen System zu einer parlamentarischen Demokratie westlichen Zuschnitts kam mit der historischen Wahlniederlage der seit 71 Jahren übermächtigen "Partei der institutionalisierten Revolution" (PRI) einen wesentlichen Schritt voran. Damit ist in Lateinamerika der Demokratisierungszyklus weitgehend abgeschlossen, der Ende der 70er Jahre mit dem Rückzug der südamerikanischen Militärs in die Kasernen begann und mit Ausnahme Kubas nahezu alle Staaten erfaßte. Während die Demokratisierung in Mexiko mit den Wahlen vom 2. Juli 2000 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte, zeichnen sich in Staaten wie Peru oder Ecuador, in denen die Öffnung schon ein bzw. zwei Jahrzehnte früher begonnen hatte, erneut autoritäre Tendenzen ab. Diesen Pendelschlag in Richtung Autoritarismus hatte der Chef der mexikanischen Wahlbehörde IFE José Woldenberg wohl im Hinterkopf, als er seine Landsleute davor warnte, sich mit dem bisher Erreichten zufriedenzugeben: "Die Demokratie ist keine Ankunftshalle" sagte er.

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