Ausgabe August 2000

Effizienz als Destruktivkraft

Ökologische Folgen der Globalisierung

Die Suche nach Rohstoff- und Absatzmärkten hat kapitalistische Unternehmen schon seit Jahrhunderten über die Grenzen ihrer Länder hinausgetrieben, doch erst in den letzten Jahrzehnten ist eine internationale Ordnung geschaffen worden, welche programmatisch auf die Formation einer grenzenlosen, einer transnationalen Ökonomie hinarbeitet. Im utopischen Weltmodell der wirtschaftlichen Globalisierung erscheint die Erde als ein homogener Raum, durchgängig und durchlässig, in dem Güter und Kapital unbehindert zirkulieren können. Man stellt sie sich als einen enormen Marktplatz vor, auf dem Produktionsfaktoren dort gekauft werden, wo sie am billigsten sind (global sourcing), und Waren dort abgesetzt werden, wo sie den besten Preis erzielen (global marketing). Doch zum andauernden Verdruß der neoliberalen Himmelsstürmer erweisen sich Gesellschaften allenthalben als träge und widerständig; die Kärrnerarbeit der Globalisierer besteht darin, die schnöde Wirklichkeit an das ideale Modell anzupassen. Am Horizont ihrer Anstrengungen winkt das Versprechen, in einer Welt zu leben, die aus ihren begrenzten Mitteln das Maximum herausholt.

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Aktuelle Ausgabe November 2020

In der November-Ausgabe analysieren die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, wie eine Politik der Feindschaft zunehmend die US-amerikanische Demokratie zersetzt. Der Journalist George Packer sieht – mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl am 3. November – eine letzte Chance, Amerika neu zu erschaffen. Der Ökonom James K. Galbraith plädiert in Zeiten der Krise für eine Rückbesinnung auf den Rooseveltschen New Deal. „Blätter“-Redakteur Daniel Leisegang warnt vor einem digitalen Kalten Krieg zwischen den USA und China. Und die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller beleuchtet den doppelten Kampf Südafrikas gegen Corona und Korruption.

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