Ausgabe Januar 2000

Dauerbrenner Rassismus.

Fremdenhaß im Gesellschaftsbild ostdeutscher Jugendlicher

Das DVU-Ergebnis bei der Landtagswahl in Brandenburg vom 5. September 1999 rief, wie bereits eingeübt, zeitweilige öffentliche Bestürzung über das rechtsextreme Potential hervor, das einmal mehr insbesondere bei jungen Wählerinnen und Wählern in Ostdeutschland zutage getreten war. Die Aufregung war von kurzer Dauer, das pflichtschuldige Entsetzen von Politpromis und Medienelite verflüchtigte sich noch schneller als bei ähnlichen Anlässen. Denn an den folgenden Wahlsonntagen konnte anläßlich der Urnengänge in Thüringen und Sachsen der Sieg des demokratischen Bewußtseins gefeiert werden: Die rechtsextremen Parteien waren unterhalb der 5%-Relevanzschwelle geblieben. Damit ließ sich der Einfluß von Rassismus und Rechtsextremismus unter jungen Ostdeutschen trefflich herunterspielen.

Ressentiments gegen "Fremde" und aktuelles Wählerverhalten

Der tatsächlichen Verbreitung von derartigen Deutungen der sozialen Wirklichkeit wird diese Art der Beschwichtigung nicht gerecht. Allein, das Wahlverhalten der jungen Ostdeutschen ist äußerst wechselhaft, geradezu unberechenbar. Massive Wahlkampagnen, aber auch aktuelle politische Stimmungen tun ihre Wirkung. Beispiel Sachsen-Anhalt.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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