Ausgabe Juni 2000

Die Selbstzerstörung von Little Havana

Seit die USA vor vier Jahrzehnten ihr Wirtschaftsembargo gegen Kuba verhängten, hat das vielerlei Wirkungen gehabt, nur eine nicht: Castro aus dem Amt zu befördern. Diese beispiellose Erfolglosigkeit läßt auch konservative Geister in den USA über eine Änderung der Kuba-Politik nachdenken. In der Vergangenheit zerschellten alle derartigen Initiativen an dem wohlorganisierten Einfluß der Exil-Kubaner. Doch durch den "Fall Elián" haben sich die Koordinaten der Macht für die Kuba-Politik der USA spektakulär verschoben. In den fünf Monaten, in denen das Gezerre um den kubanischen Flüchtlingsjungen die Politik zwischen Washington, Havanna und Miami beherrschte, ist die kubanische Exilgemeinde als nationaler Machtfaktor in den USA förmlich implodiert. Washington eröffnet das eine einzigartige Möglichkeit für den Wandel seiner Kuba-Politik. Dabei waren die Exil-Kubaner über viele Jahre hinweg das Paradebeispiel einer effizienten und hochwirksamen Lobby. Gleich wer in Washington regierte, die kubanische Lobby, allen voran die von Jorge Mas Canosa geführte Cuban-American National Foundation (CANF), hielt die Politik der USA fest auf unversöhnlichem AntiCastro-Kurs. Sie kanalisierte Gelder, kippte Personalentscheidungen, schrieb Gesetze.

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