Ausgabe Juni 2000

Wenn Wohl-Täter stiften gehen

Die beiden Wahrheiten über die Bundesstiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft

"Die Gründungsstifter erbringen einmalige Einlagen. Sie wollen über fünfzig Jahre nach dem Untergang des Dritten Reichs auch ein Zeichen für einen positiven Abschluss der Diskussionen über Verantwortung und Schuld in finanzieller Hinsicht setzen." (Entwurf des Stiftungsgesetzes, Bundestagsdrucksache 14/3206, S. 23)

I

Die Auseinandersetzung um die Zwangsarbeiterentschädigung scheint ausgestanden. Ihre Ergebnisse hinterlassen, wie schon der Verlauf, einen zwiespältigen Eindruck. Rechtfertigt der Fortschritt in der Sache die Verwendung oder Inkaufnahme einer regressiven Argumentation, das Sicheinlassen auf ein verlogenes Geschichtsbild?

Die beiden Seiten der Sache

Es gibt Fortschritte, die nicht unterschätzt werden sollten: Nach über 50 Jahren der Verdrängung und Leugnung haben erstmals eine Bundesregierung und schließlich alle Fraktionen zur Kenntnis genommen, daß eines der zentralen 1) Verbrechen Hitlerdeutschlands, die millionenfache Zwangs- und Sklavenarbeit, als solches eingestanden werden muß und deutsche Entschädigungsleistungen erforderlich macht. Alle deutschen Beteiligten, auch SPD und Grüne, die in der Opposition schon seit Jahren auf eine Entschädigungslösung hingearbeitet hatten, sahen sich im Verlauf der Auseinandersetzung einem - hoffentlich anhaltenden - Lernprozeß ausgesetzt.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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