Ausgabe Mai 2000

Am Scheideweg

Zur Situation der Atlantischen Gemeinschaft

Die Beziehungen zwischen Westeuropa und den USA sind viel schlechter als sie aussehen. Ihr gesellschaftlich-wirtschaftliches Fundament ist in Ordnung, aber in der politischen Architektur vermehren sich die Risse. In diesem Sommer könnten sie sich zum Spalt erweitern. Denn voraussichtlich im Juni wird der amerikanische Präsident Clinton den Bau eines Raketenabwehrsystems bekannt geben und damit die amerikanische Sicherheit von der Europas trennen. Westeuropa seinerseits, das sich vom Dollar verabschiedet und den Euro zu dessen Konkurrenten aufgebaut hat, kündigt mit dem 1999 nun endgültig beschlossenen Aufbau einer eigenen Militärmacht die amerikanische Hegemonie. In beiden Prozessen geht es um die Machtverteilung in der Atlantischen Gemeinschaft. Solche Wandlungen sind immens konfliktträchtig. Werden sie nicht achtsam gesteuert, kann die überfällige Neuverteilung der Macht in der Atlantischen Gemeinschaft zu deren Zerfall führen. Daran kann niemand interessiert sein. Die amerikanisch-europäische Verbindung ist für beide Seiten und für die Weltpolitik viel zu wichtig, als daß ihre Beschädigung durch die Machtinteressen von Politikern und Bürokraten - allesamt nur Angestellte der Souveräne, der Gesellschaften - hingenommen werden könnte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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