Ausgabe Mai 2000

Am Scheideweg

Zur Situation der Atlantischen Gemeinschaft

Die Beziehungen zwischen Westeuropa und den USA sind viel schlechter als sie aussehen. Ihr gesellschaftlich-wirtschaftliches Fundament ist in Ordnung, aber in der politischen Architektur vermehren sich die Risse. In diesem Sommer könnten sie sich zum Spalt erweitern. Denn voraussichtlich im Juni wird der amerikanische Präsident Clinton den Bau eines Raketenabwehrsystems bekannt geben und damit die amerikanische Sicherheit von der Europas trennen. Westeuropa seinerseits, das sich vom Dollar verabschiedet und den Euro zu dessen Konkurrenten aufgebaut hat, kündigt mit dem 1999 nun endgültig beschlossenen Aufbau einer eigenen Militärmacht die amerikanische Hegemonie. In beiden Prozessen geht es um die Machtverteilung in der Atlantischen Gemeinschaft. Solche Wandlungen sind immens konfliktträchtig. Werden sie nicht achtsam gesteuert, kann die überfällige Neuverteilung der Macht in der Atlantischen Gemeinschaft zu deren Zerfall führen. Daran kann niemand interessiert sein. Die amerikanisch-europäische Verbindung ist für beide Seiten und für die Weltpolitik viel zu wichtig, als daß ihre Beschädigung durch die Machtinteressen von Politikern und Bürokraten - allesamt nur Angestellte der Souveräne, der Gesellschaften - hingenommen werden könnte.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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