Ausgabe September 2000

Weltumweltpolitik.

Die neue Verhandlungsmacht der Entwicklungsländer

Bislang galten die Entwicklungsländer meist als machtlose Zaungäste des Weltgeschehens, kaum in der Lage also, die ökologische und soziale Krise in den Mittelpunkt der Weltpolitik zu stellen. Seit neuerem ist dieser common sense jedoch nicht mehr unbestritten. Tariq Hyder, offizieller Wortführer der Entwicklungsländer zur Zeit der Rio-Konferenz über Umwelt und Entwicklung von 1992, schrieb damals, die Industrieländer müßten endlich einsehen, daß sich die Spielregeln im Nord-Süd-Dialog in Zeiten von globalem Treibhauseffekt und Ozonloch geändert hätten. Erhielten die Entwicklungsländem nicht bald Handelserleichterungen, Schuldenstreichungen und verstärkten Finanz- und Technologietransfer, dann müßten alle, in Nord wie in Süd, letztlich hierfür einen Preis bezahlen - und der globalen ökologischen Katastrophe ins Auge sehen. 1) Dieser Gedanke einer ökologischen Abhängigkeit des Nordens vom Süden ist nicht gänzlich neu: Schon 1975 schrieb Seitz über eine "Chaosmacht" der Entwicklungsländer, die er in der zunehmenden globalen ökologischen Interdependenz begründet sah. 2) Ähnliche Thesen finden sich an anderen Stellen in der Literatur, etwa bei den US-Amerikanern Sell, Miller oder Young sowie bei dem Darmstädter Politologen Wolf.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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