Ausgabe April 2001

NMD: Neue Militarisierung des Denkens

Wer NMD alias "Raketenabwehr" für eine sicherheitspolitische Option hält, deren Bewertung er einstweilen getrost den Experten überlassen könne, irrt. Es handelt sich um eine folgenschwere Richtungsentscheidung, die wichtigste seit dem unverhofft glimpflichen Ausgang der Ost-West-Konfrontation. Ob das Sicherheitsverständnis der NMD-Befürworter sich durchsetzt - oder jetzt die überfällige Auseinandersetzung mit dem zugrundeliegenden Weltbild provoziert, dürfte so oder so unser Leben, unser Selbstverständnis, die Kriterien des Zusammenlebens mit anderen nachhaltig beeinflussen. Verständlich genug allerdings, daß die Öffentlichkeit in Europa dem Thema bisher nicht allzuviel Beachtung schenkt, nicht nur wegen des abgehobenen Jargons, in dem es verhandelt wird, sondern wohl auch aus der - trügerisch gewordenen - Gewißheit heraus, Europas Regierungen hätten den amerikanischen Plänen oft genug widersprochen und vor den negativen Folgen gewarnt. Und manche denken, wenn die Amerikaner sich etwas in den Kopf gesetzt hätten sei es auch eine Narretei -, ließen sie sich ohnehin nicht von anderen umstimmen, deshalb sei es politisch das Klügste, die in Washington jetzt regierende Raketenabwehr-Fraktion erst einmal gewähren zu lassen.

Vielleicht merkt sie ja selbst, daß sie einem Phantom nachjagt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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