Ausgabe Dezember 2001

Kapitalismus contra Kapitalismus - zehn Jahre danach

Vor einem Jahrzehnt erschien Michel Alberts Buch "Capitalisme contre Capitalisme" (Paris 1991, deutsch 1992 bei Campus, Frankfurt a.M.), das seither in 19 Sprachen übersetzt wurde. Der Verfasser gehört dem Conseil de la politique monetaire der französischen Zentralbank an. Aufsehen erregte seine Auffassung des zeitgenössischen Kapitalismus als eines bipolaren Systems. Dem angelsächsischen Kapitalismus stellte Albert den "rheinischen" gegenüber. Gerade in der deutschen Diskussion wurde sein Rheinischer Kapitalismus viel zitiert und nicht selten mißverstanden. Mit zehn Jahren Abstand hat Albert nun einen Rückblick unternommen, in dem er die Hypothese einer Konvergenz der beiden Modelle erwägt. Mit der freundlichen Genehmigung des Verfassers veröffentlichen wir nachstehend erstmals eine deutsche Fassung dieses Textes. Es handelt sich um eine gekürzte Eigenübersetzung aus dem Französischen. - D. Red.

Fast ein Jahrhundert lang sah sich der Kapitalismus mit dem Kommunismus konfrontiert. Dieser Gegensatz zwischen zwei Welten war so vollkommen und allgegenwärtig, daß jeder der beiden "Blöcke" weitgehend einheitlich, wenn nicht sogar wie aus einem Guß schien.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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