Palästina: Grenzgänger des Nationalismus
Kaum ein Konflikt ist hierzulande so stark mit Emotionen verbunden wie jener im Nahen Osten. An Palästina scheiden sich die Geister und erhitzen sich die Gemüter.
Matthias Bertsch, geb. 1966 in Schwäbisch Hall hat Politikwissenschaften studiert und ist regelmäßiger Autor für den ARD-Hörfunk.
Im Folgenden finden Sie sämtliche »Blätter«-Beiträge von Matthias Bertsch.
Kaum ein Konflikt ist hierzulande so stark mit Emotionen verbunden wie jener im Nahen Osten. An Palästina scheiden sich die Geister und erhitzen sich die Gemüter.
Die Abkürzung dürfte vielen geläufig sein: DPs – Displaced Persons. Menschen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland gestrandet waren, obwohl sie – nach eigenem Verständnis wie der Zuschreibung von außen – eigentlich nicht hierher gehörten.
Da steht sie: im weißen Hosenanzug, breitbeinig, die Fäuste in die Hüften gestemmt und schaut direkt in die Kamera. Selbstbewusst wirkt sie, jung – und streitlustig. Das Bild ist 1930 im Urlaub auf Hiddensee entstanden, da war Mascha Kaléko 23 Jahre alt.
Jerusalem, Ende Juni 1967: Im Amphitheater der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg findet eine Zeremonie statt, Hauptredner ist Jitzchak Rabin. Der damalige Generalstabschef der israelischen Armee und spätere Friedensnobelpreisträger steht für den Erfolg des jüdischen Staates im Sechstagekrieg wenige Wochen zuvor.
„Slawa Ukraini: Ruhm der Ukraine!“ Auch in Deutschland ist diese Parole zum Symbol der Unterstützung des ukrainischen Kampfes gegen den russischen Angriffskrieg geworden. Nach der Lektüre des Buches von Grzegorz Rossoliński-Liebe gehen einem diese Worte aber nicht mehr so leicht über die Lippen.
„Er war so lange krank. Er hat all die Therapien mitgemacht, weil sie ihn überredet haben. Sein Sterben soll anders sein als seine Krankheit.“ Mit diesen Worten beschreibt Beate Winkler die Situation eines 19-jährigen, schwer an Krebs erkrankten jungen Mannes.
„Im goldenen Zeitalter vor dem Krieg konnte der ‚Bewohner Londons […], seinen Morgentee im Bette trinkend, durch den Fernsprecher die verschiedensten Erzeugnisse der ganzen Erde in jeder beliebigen Menge bestellen und mit gutem Grund erwarten, daß man sie alsbald an seiner Tür ablieferte‘“
„Heimat ist der Ort, an den man heimkehrt, wo man den Koffer auspackt und die Geschenke verteilt, die man mitgebracht hat, die Kleidungsstücke wieder in die Schubladen räumt und die Koffer zurück in den Schrank.“ So einfach ist das mit dem Koffer und der Heimat – wenn man eine hat.
„Im Frühjahr 2020 kam die Weltwirtschaft zum Stillstand.“ Mit diesen Worten beginnt Ronald Colman sein Vorwort an die Leser. Gut zwei Jahre lang beherrschte die Coronapandemie das Leben zahlloser Menschen auf diesem Planeten – mit entsprechenden Konsequenzen.
Was haben die Mutter, das Bittere und das Meer gemeinsam? Im Deutschen nicht viel, im Französischen schon: „la mère“, die Mutter, „l’amer“, das Bittere, und „la mer“, das Meer. Für Cynthia Fleury ist das nicht nur ein Wortspiel, sondern es beschreibt nichts weniger als das Drama des menschlichen Daseins.
Ich konnte nirgends hin, nirgends. Und schließlich, wen interessierte es schon. Was mit einem unwichtigen, staatenlosen Sprachlehrer passierte, interessierte kein Schwein.“ Eric Amblers 1938 erschienener Roman „Nachruf auf einen Spion“ handelt von dem Ungarn Joseph Vadassy, der aufgrund einer Verwechslung staatenlos wird.
Indonesien, den Namen kennt man natürlich, aber von Geographie und Geschichte des Landes haben die meisten keine Ahnung. Nach der Lektüre dieses grandiosen Buches ist das anders.
Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina.“ Dieser Auszug aus der Balfour-Deklaration von 1917 bildet für Muriel Asseburg einen zentralen Ausgangspunkt ihrer Analyse des inzwischen über 100jährigen Streits um das Land zwischen Mittelmeer und Jordan.
Nach dem Krieg galten sie als Verräter, später als Widerstandskämpfer, die schon immer in Opposition zu Hitler gestanden hätten: die Mitglieder der Weißen Rose, allen voran die Geschwister Scholl. Sophie Scholl wäre am 9. Mai 100 Jahre alt geworden. Die Biographie, die der Theologe Robert M. Zoske unter dem Titel „Es reut mich nichts“ vor kurzem vorgelegt hat, zeigt, dass sie nicht nur ein widerständiger, sondern auch ein widersprüchlicher Mensch war.