Ausgabe Juli 2001

Bioethische Signale

Über die Wiederentdeckung der Menschenwürde

Auf einmal kennt unsere Politik keine Parteien mehr. Der Fraktionszwang ist aufgehoben. Ausnahmsweise sollen die Mitglieder des Hohen Hauses nur die Stimme ihres Gewissens sprechen lassen. Abgeordnete verschiedener Parteien beleben ein übergreifendes "Bündnis Menschenwürde". (Auf solch ein Bündnis hätten wir in Sachen Rente zum Beispiel lange warten können.) Man rühmt die ehrbaren Motive von Forschem und versichert Verständnis für die individuellen Gewissensnöte von werdenden Eltern, die Gesellschaft "drumherum" aber kommt bestenfalls am Rande vor. Alle reden von Bioethik, von Bioökonomie so gut wie keine(r). Alle reden vom naturwissenschaftlichen Fortschritt, kaum eine(r) von den gesellschaftlichen Rückschritten. Und ständig grüßt das Grundgesetz.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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