Ausgabe November 2001

Das Verständnis von Bedrohung umpolen

Internationale Konsequenzen der Terroranschläge vom 11. September 2001

"Blätter": Wie beurteilen Sie die anfangs als besonnen eingestufte Reaktion der Bush-Administration und des Westens auf den 11. September, die am 7. Oktober in die Bombardierung von Zielen in Afghanistan umschlug?

Ernst-Otto Czempiel: Die Reaktion war zu erwarten. Wir konnten die Vorbereitungen verfolgen. Die USA zogen über 30 000 Soldaten im Persischen Golf zusammen und verlegten 40 Schiffe, darunter vier Flugzeugträger dorthin. Es sind zudem 300 Flugzeuge in der Region stationiert worden. Das ist eine riesige Armada, die nicht umsonst dorthin geschickt wurde. Daß es nicht früher zu einem Gegenschlag gekommen ist, liegt einfach daran, daß die Logistik eines solchen Aufmarschs Zeit braucht.

"Blätter": Die Bush-Administration hat nach dem 11. September immer wieder unterstrichen, daß die militärische Antwort nur einen kleinen Teil der Gesamtreaktion ausmachen werde. Muß das nach dem Beginn der Angriffe relativiert werden?

Czempiel: Nein, das würde ich überhaupt nicht relativieren. Natürlich ist die militärische Reaktion Teil eines Gesamtpakets. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt vermute ich allerdings, auch angesichts der politisch-strategischen Präferenzen der Bush-Administration, daß der Anteil der militärischen Reaktion sehr groß sein wird.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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