Ausgabe November 2001

Der amerikanische Ernstfall

United We Stand - Chickenburger verkündet der Aushang eines schäbigen Gasthofs im verlassenen Hinterland Maines. Zusammen mit dem gewöhnlichen Produkt soll die ungewöhnliche Botschaft "rüberkommen": Jener 11. September hat den Wirt daran erinnert, daß er nicht nur Besitzer seines kleinen Ladens ist, sondern auch Mitglied einer großen Nation. The Spirit of America ("Newsweek") macht dieser Tage vor nichts und niemandem halt. Daß die Stunde der Not den Geist des Volkes transformieren würde - diese uralte Einsicht hat sich wieder einmal schlagend bestätigt. "Wir können sagen", rekapituliert 1915 Ernst Lederer (Zur Soziologie des Weltkriegs), "daß sich am Tage der Mobilisierung die G e s e l l s c h a f t, die bis dahin bestand, in eine G e m e i n s c h a f t umformte." Und er fährt fort: "Daß die Völker gegenwärtig im Kriege, mehr als jemals, die Form der Gemeinschaft annehmen, liegt dann, daß das moderne Heer mit der allgemeinen Wehrpflicht, jenseits aller gesellschaftlichen Bindungen, einen eigenartigen Komplex ausgebildet hat, innerhalb welchem alle soziale Besonderheit suspendiert ist." Suspendiert also nicht dauerhaft aufgehoben, sondern zeitweitig verdrängt und bis auf weiteres zum Verschwinden gebracht. Kalamität "kassiert" Pluralität.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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