Ausgabe April 2002

Auf dem Weg zum Euro-Islam?

Muslime im säkularen Rechtsstaat

Es ist ja auch nicht so, dass auf dieser Welt die vernünftigen Menschen auf zwei Beinen laufen und die religiösen auf dem Kopfe. Abdolkarim Sorusch

Hin und wieder fragen sich auch gläubige Christen, wie sie in einem säkularen Staat leben können, der Abtreibungen und Experimente mit Embryonen hinnimmt, welche nach strenger christlicher Auffassung schlicht Mord sind. In den Vereinigten Staaten steigert sich dieser Zweifel bisweilen zur aktiven Bekämpfung von Institutionen und Repräsentanten der liberalen Demokratie. Aus "Neo-Konservativen", die sich mit der säkularen Welt problemlos arrangieren, werden dann "Theo-Konservative", die zwischen Staat und Kirche nicht länger trennen. 1) So weit geht das Gros der protestantischen Fundamentalisten in den USA nicht, aber die konsequenteren wandern, da sie auch unter der Administration von George W. Bush mit Justizminister Ashcroft nicht mehr Einfluss bekommen haben, in die "innere Emigration" ab. Die Erinnerung an das Unvereinbare zwischen Christentum und säkularem Rechtsstaat ist angebracht, da nun vermehrt dem Islam die Gretchenfrage gestellt wird, wie er es mit der Verfassung und mit der Demokratie halte.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema