Ausgabe April 2002

Einmal Schurke, immer Schurke

Niemand kann sagen, die Signale seien nicht deutlich gewesen. Dass der Kampf gegen den Terrorismus langwierig ausfallen und sich keineswegs auf ein einzelnes Land beschränken werde, hat Washington unzählige Male beschworen. „Auch das nächste Jahr wird ein Kriegsjahr“, verkündete der Präsident im Dezember. Gleichzeitig hielt er seine Umgebung an, Mutmaßungen über weitere Bombenziele nicht ins Kraut schießen zu lassen, ehe die Arbeit in Afghanistan erledigt sei. Dann folgte der Paukenschlag des 29. Januar. Ebenso entschlossen wie gegen terroristische Netze, so Bush im Kapitol, müsse gegen Regime vorgegangen werden, die nach Massenvernichtungswaffen streben. Namentlich traf es Nordkorea, Iran und – mit besonderer Verve – den Irak. Sie firmieren als „Achse des Bösen“, als eigens gebrandmarkt unter den „Schurkenstaaten“. Seither vergeht kaum ein Tag ohne offene oder unterschwellige Drohung aus der amerikanischen Administration an die Adresse Bagdads. Was rückt gerade dieses Land in das Fadenkreuz der Supermacht?

Washington und Bagdad tragen an der Geschichte ihrer hoffnungslos zerrütteten Beziehung. Ausgangspunkt ist der Golfkrieg von 1991. Saddam Husseins dreister Überfall auf den kleineren Nachbarstaat Kuweit rief eine mächtige Gegenallianz auf dem Plan.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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