Ausgabe Dezember 2002

Die Luft ist voller Politik

Über Aufgaben

Was die Wiederwahl von Rot-Grün bedeutet, erörterten wir in der Novemberausgabe der „Blätter“ mit Bettina Gaus. Inzwischen sind Agenda und personalpolitisches Tableau der neuen Bundesregierung umrissen. Über Regierungsabsichten und Realitäten sprachen wir mit Gunter Hofmann, der als Korrespondent der „Zeit“ zuerst in Bonn, jetzt in Berlin seit rund 25 Jahren das politische Geschehen kommentiert. Sein jüngstes Buch „Abschiede, Anfänge. Die Bundesrepublik. Eine Anatomie“ ist im Verlag Antje Kunstmann erschienen (München 2002). – D. Red.

„Blätter“: Rot-Grün ist in seine zweite Amtszeit gestartet: Die ersten Regierungsaktionen sind heftig umstritten und brechen Wahlversprechen, der koalitionsinterne Streit ist bereits im Gange. Der Koalitionsvertrag wirkt ideenlos und die Regierungserklärung vermittelte wenig von der Aufbruchstimmung beim ersten Mal. Wie verträgt sich das mit dem Anspruch Gerhard Schröders, Rot-Grün habe die Chance, die nächsten zehn Jahre zu prägen, aus einer Episode eine Epoche zu machen?

Gunter Hofmann: Ich bin an dem Punkt unenttäuschbar. Vor dem Hintergrund realistischer Erwartungen weiß ich, dass Vertrag und Erklärung bloß Stückwerk sind. Ich setze hier, jenseits von Fatalismus, nicht auf das journalistische Echo, sondern auf die Intelligenz des Publikums.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Parteien