Eine „Staatskomödie“ sei Bosnien-Herzegowina, sagte Zlatko Lagumdžija, Premier und Außenminister des Landes: Sieben Jahre nach dem militärischen Erfolg des Friedenspakets von Dayton liegt die zivile Befriedung Bosniens in weiter Ferne. Woran Dayton nicht unschuldig ist: Der Vertrag verfügte nach anderthalb Jahrtausenden bosnischer Integrität deren Zerschlagung in zwei „Entitäten“, die bosnisch-kroatische Föderation und die Republika Srpska (RS). Gleichzeitig definierte er die bosnischen Muslime (44 %), Serben (31 %) und Kroaten (17 %) als die drei „konstitutiven Völker“ Bosniens, was diese motivierte, einander mit allen Möglichkeiten politisch-ökonomischer Obstruktion zu bekriegen. In Bosnien-Herzegowina steht die Machtpyramide auf dem Kopf. Die Zentralregierung hat so gut wie keine Macht, weil diese bei den Entitäten liegt und von deren Untergliederungen, den Kantonen (in der Föderation) und den Kommunen (in der Republika Srpska) ausgeübt wird. Nationalistische Kroaten in Bosnien-Herzegowina fordern eine dritte Entität für sich, und weil ihnen die vom Amt des Hohen UN-Repräsentanten (OHR) bislang verweigert wurde, versuchen sie es seit einigen Monaten andersherum: Wie die Lemminge strömen sie aus Bosnien-Herzegowina nach Kroatien. Andere folgen ihnen anderswohin: über 100 000 in den letzten fünf Jahren.
Armenien war lange ein blinder Fleck in der europäischen Öffentlichkeit. Daran gemessen stieß die jüngste Parlamentswahl international auf großes Interesse. Dies beruht allerdings teilweise auf einer Fehlwahrnehmung.