Ausgabe Oktober 2002

Lateinamerika in der Falle

Das wirtschaftliche Drama in Lateinamerika nimmt kein Ende. Nach dem argentinischen Kollaps sind nun auch Brasilien, Uruguay und eine Reihe weiterer Länder stark angeschlagen. Für Argentinien wird in diesem Jahr ein Rückgang des Wachstums in der Größenordnung von 15% erwartet, die Inflation geht auf 50% zu und die Lage der Menschen verschlechtert sich von Tag zu Tag. Die brasilianische Wirtschaft stagniert bestenfalls und fast alle übrigen Staaten haben mit rezessiven Entwicklungen zu kämpfen. Die Arbeitslosigkeit steigt durchgängig und die Verarmung noch größerer Teile der Bevölkerung ist nicht mehr abzuwenden.

Noch schlimmer: Es gibt keine Hoffnung, dass sich die Situation in der gesamten Region in überschaubarer Zeit zum Besseren wenden könnte. Angesichts dieser Situation ist die Tatenlosigkeit der internationalen Gemeinschaft nur noch als skandalös zu bezeichnen. Zwar hat man Brasilien einen neuen großzügigen IWF-Beistandskredit eingeräumt, die Verhandlungen über eine Entlastung Argentiniens aber kommen nicht voran und von einer durchgreifenden Lösung ist überhaupt nicht mehr die Rede. Wie hilflos der IWF und die G7 der Lage gegenüberstehen, zeigt sich nirgendwo deutlicher als an der Entwicklung der Wechselkurse der lateinamerikanischen Länder gegenüber dem US-Dollar.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Dividenden statt Investitionen

von Aurora Li, Michael Peters, Uwe Zöllner

Ob bei der Wasserversorgung, in der Pflege oder im Gesundheitssektor: Bereits seit einigen Jahrzehnten kommt es selbst in systemrelevanten Bereichen immer wieder zu Privatisierungen – bei denen die kurzfristige Gewinnmaximierung zugunsten der Investoren oftmals das Geschäft bestimmt.

Von der Silicon Valley Bank zur Credit Suisse: Finanzmarktkrise 2.0?

von Rudolf Hickel

Fünfzehn Jahre nach der Finanzmarktkrise, die im September 2008 durch die Lehman-Pleite ausgelöst wurde und die Weltwirtschaft beinahe zum Absturz brachte, drohen erneut massive Turbulenzen im Kasinokapitalismus. In den USA erschütterte der Crash eines zuvor ziemlich unbekannten regionalen Spezialinstituts, der Silicon Valley Bank (SVB), die Finanzmärkte.