Ausgabe September 2002

Nachhaltig in der Krise

Irrtümer rot-grüner Finanzpolitik

Viele Wähler der rot-grünen Bundesregierung erwarteten 1998, dass die Politik die gestalterische Dominanz gegenüber den Märkten zurückgewinne und nicht weiterhin den Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft spiele. Trotz zum Teil deutlich unterschiedlicher Ausgangspositionen in den jeweiligen Wahlprogrammen vereinbarten SPD und Bündnis 90/Die Grünen in ihrem Koalitionsvertrag1 zumindest im Bereich der Finanzpolitik ein Konzept, welches auf eine Gestaltung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse mit Hilfe staatlicher Politik setzt. Die dem gesamten Koalitionsvertrag vorange- stellten Ziele „Arbeit, Umwelt, soziale Gerechtigkeit“ wurden im Bereich der Finanzpolitik konzeptionell recht gut umgesetzt und hätten daher durchaus das Etikett „Nachhaltigkeit“ verdient. Die Instrumente waren auf den ökolo- gischen Umbau und damit auf die Vorsorge für künftige Generationen und soziale Gerechtigkeit ausgerichtet. Wohl unter dem Druck wirtschaftlich mächtiger Interessengruppen, aber auch durch pragmatische Anpassung an den marktoptimistischen Zeitgeist verlor in der nachfolgenden Regierungspraxis der im Koalitionsvertrag konzipierte Neuanfang jedoch an Kraft. Der zunächst noch zögerlich begonnene Abschied von einer sozial und ökologisch gestaltenden Finanzpolitik ist inzwischen vollzogen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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