Ausgabe Dezember 2003

Familialismus und Generationenkrieg

Mehr oder weniger "Junge" profilieren sich gegenwärtig als Sprecher der jüngeren Generation – und skandalisieren die vermeintliche Überforderung der Jungen durch die Alten. Doch sie stoßen auf Widerspruch: Die jetzt Alten hätten den Generationenvertrag immerhin noch in beiden Richtungen erfüllt, hätten nicht nur die Lasten der damals Alten getragen, sondern auch Kinder gezeugt, versorgt und erzogen.

"Wenn schon Generationengerechtigkeit, dann", so schallt es den aufmüpfigen Jungen entgegen, "macht ihr erst einmal Kinder!" Spätestens damit ist der Zusammenhang von Familienpolitik und Generationengerechtigkeit hergestellt.

Zwei Sachverhalte werden für diesen Zusammenhang angeführt. Erstens die säkular abnehmende Geburtenrate, also die wachsende Armut der Gesellschaft an Kindern. Immer weniger Erwachsene haben Kinder und leben mit ihnen dauerhaft zusammen. Auf der anderen Seite leben immer mehr Kinder in dieser Gesellschaft in Armut. Neben Arbeitslosigkeit sind Kinder zum herausragenden Armutsrisiko geworden. Beide Sachverhalte hängen nun aber aufs Engste miteinander zusammen: Benachteiligung und Über- forderung der Familien sind die Ursache für die abnehmende Geburtenrate. Aus der Armut an Kindern folgt wiederum die Benachteiligung und Überforderung der Familien. Dieses Wechselverhältnis soll im Folgenden näher beleuchtet werden.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Wirtschaftspolitik ohne Verstand: Lockert die Steuerbremse!

von Axel Stommel

Es soll ein „Herbst der Reformen“ werden, kündigen Union und SPD lautstark an. Angesichts der ernüchternden Realität einer Finanzierungslücke von 172 Mrd. Euro, die im Bundeshaushalt zwischen den Jahren 2027 und 2029 klafft, ist die bei jeder Gelegenheit beschworene Aufbruchstimmung nur allzu verständlich.