Ausgabe Juli 2003

Die unilaterale Versuchung

Veränderte Dominanzformen im internationalen System

"Wenn wir handeln müssen, werden wir handeln. Und wir brauchen wirklich nicht die Zustimmung der Vereinten Nationen, um das zu tun." US-Präsident George W. Bush1

Nach dem Ende des Kalten Krieges ist das internationale System durch eine fundamentale Asymmetrie der Macht gekennzeichnet. Die USA als einzig verbliebene Supermacht verfügen heute mit Abstand über die größten Machtpotentiale, vor allem auf militärischem und militärtechnologischem Gebiet, aber auch politisch, ökonomisch und kulturell. Gegengewichte sind nur in Ansätzen zu erkennen, und es wird mindestens zwei Jahrzehnte dauern, bis sich dieses grundlegend ändert. Bis dahin verfügen die USA allein durch ihr Gewicht über eine dominierende Machtposition im internationalen System, was durch eine machtorientierte und selbstbewusste Politik noch forciert werden wird. Auch die von Washington betriebene Militarisierung internationaler Konfliktbearbeitung wird der mit großem Abstand stärksten Militärmacht weitere Positionsvorteile verschaffen. Seit den 90er Jahren ist die Welt somit von ausgeprägt unipolarem Charakter – zwar nicht notwendigerweise auf Dauer, aber zumindest für ein oder zwei Generationen. Schlechte Zeiten also für eine multilaterale Politik unter Führung der UNO.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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