1999 stürzte die WTO in eine tiefe Krise. Die Ministerkonferenz von Seattle galt als gescheitert – und mit ihr, zumindest vorerst, der jahrelange Versuch eine neoliberale Wirtschaftswelt zu schaffen. Vier Jahre später steht die Welthandelsorganisation erneut am Scheideweg. Die 5. Ministerkonferenz, welche die Verhandlungsführer vom 10. bis zum 14. September in das mexikanische Ferienparadies Cancún führen wird, steht unter keinem guten Stern. Die Konfliktfelder sind abgesteckt, von Urlaubsstimmung keine Spur. Da gibt es etwa die Forderung, den Kompetenzbereich der WTO auszuweiten; es gibt mahnende Stimmen, die nach einer Beschränkung der Macht rufen; mit Blick auf die unilateralistische Haltung der US-Regierung wird die Frage diskutiert, ob es die Supermacht auch künftig noch nötig haben wird, sich den WTO-Regeln zu beugen; die Verhandlungen der seit zwei Jahren laufenden Welthandelsrunde sind ins Stocken geraten und der Unmut der Länder des Südens wächst stetig. An diesen Beispielen wird deutlich, dass die Organisation weit von einer Überwindung der Krise entfernt ist. Um dennoch einen "erfolgreichen" Abschluss zu erzielen, werden bereits im Vorfeld der Konferenz zwei Mythen ins Feld geführt: der Mythos, es handele sich um eine Entwicklungsrunde, und zweitens, die WTO agiere multilateralistisch.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.