1999 stürzte die WTO in eine tiefe Krise. Die Ministerkonferenz von Seattle galt als gescheitert – und mit ihr, zumindest vorerst, der jahrelange Versuch eine neoliberale Wirtschaftswelt zu schaffen. Vier Jahre später steht die Welthandelsorganisation erneut am Scheideweg. Die 5. Ministerkonferenz, welche die Verhandlungsführer vom 10. bis zum 14. September in das mexikanische Ferienparadies Cancún führen wird, steht unter keinem guten Stern. Die Konfliktfelder sind abgesteckt, von Urlaubsstimmung keine Spur. Da gibt es etwa die Forderung, den Kompetenzbereich der WTO auszuweiten; es gibt mahnende Stimmen, die nach einer Beschränkung der Macht rufen; mit Blick auf die unilateralistische Haltung der US-Regierung wird die Frage diskutiert, ob es die Supermacht auch künftig noch nötig haben wird, sich den WTO-Regeln zu beugen; die Verhandlungen der seit zwei Jahren laufenden Welthandelsrunde sind ins Stocken geraten und der Unmut der Länder des Südens wächst stetig. An diesen Beispielen wird deutlich, dass die Organisation weit von einer Überwindung der Krise entfernt ist. Um dennoch einen "erfolgreichen" Abschluss zu erzielen, werden bereits im Vorfeld der Konferenz zwei Mythen ins Feld geführt: der Mythos, es handele sich um eine Entwicklungsrunde, und zweitens, die WTO agiere multilateralistisch.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.